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Parasiten können Organe schädigen

Bleiben Parasiten unbehandelt, so können Organe (z. B. die Leber und die Lunge) geschädigt und Organfunktionen generell massiv beeinträchtigt werden. Dies führt – insbesondere auch bei Mischinfektionen – zu einer Schwächung des Immunsystems und des gesamten Körpers.

Deshalb sollten Parasiten sorgfältig aufgespürt und individuell behandelt werden. Dabei kommt der Reihenfolge der Behandlungsschritte eine große Bedeutung zu.

Zum Nachweis und zur richtigen Behandlung von Parasiten ist nicht nur die genaue Kenntnis der Infektionswege wichtig. Die sorgfältige Materialgewinnung und richtige Behandlung der Proben ist Voraussetzung für eine sinnvolle Diagnostik.

Vorbeugung ist möglich, wenn man weiß, wie Parasiten sich verbreiten und verbreitet werden. Die erforderlichen Kenntnisse sind auch unter Ärzten nicht immer vorhanden, insbesondere wenn es sich um seltene Parasiten handelt. Hier werden Ursachen für Beschwerden immer wieder verwechselt.

Beispiele für Parasiten-Infektionen

Im Folgenden zeigen wir an einigen Beispielen, was Infektionen mit Parasiten bedeuten können, was getan werden kann, um sich davor zu schützen und wie eine Infektion diagnostiziert und behandelt werden sollte.

Der Madenwurm (Enterobius vermicularis syn. Oxyuris vermicularis) ist die verbreitetste Fadenwurmart. Weltweit werden jährlich etwa 500 Millionen Enterobius-Infektionen verzeichnet.

Infektionsablauf

Von Infektionen mit Madenwürmern (Enterobius vermicularis) sind oft Kinder betroffen. Aber auch Erwachsene können sich bei engem Körperkontakt leicht infizieren. Unruhiger Schlaf und Juckreiz im Analbereich (besonders in der Nacht) können auf eine Infektion hindeuten. Dort legt der weibliche Fadenwurm seine Eier ab. In diesen entwickeln sich in 4 bis 6 Stunden Embryos.

Gelangen solche Eier – bei Kindern etwa durch unbewusstes Kratzen und Jucken – auf die Finger und dann in den Mund, dann führt dies zu einer erneuten Infektion: Aus den Eiern entwickeln sich im Dünndarm Larven, aus diesen männliche und weibliche Würmer, die sich in der Höhlung des Dickdarmeingangs sammeln (im Lumen des Caecums). Von dort wandert der weibliche Wurm zum Anus und legt in dessen Hautfalten die Wurmeier ab.

Dieser Kreislauf kann aber nicht nur durch Hand- oder Schmierinfektion der bereits infizierten Person andauern. Über Handkontakt, aber auch über Kleidung, Bettwäsche und insbesondere auch Nahrungsmittel können infektiöse Wurmeier einen neuen Wirt finden. Selbst das Einatmen von Eiern – etwa beim Ausschlagen von Bettwäsche – ist möglich.

Da von der Aufnahme der Eier durch den Mund bis zur Ablage am Anus ein Monat verstreicht und die natürliche Lebensdauer der Madenwürmer etwa zwei Monate beträgt, muss eine Wurminfektion behandelt werden. Im Laufe der Infektion mit Parasiten ist der Körper anfällig. Durch andere Infektionen (etwa mit pathogenen Hefen), aber auch durch die Parasiten selbst kann es bei längerem Befall zu Schädigungen von Organen kommen.

Diagnostik

Ausgebildete Würmer sind manchmal im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier sichtbar. Sie erscheinen gelblich-weiß, fadenartig und haben ein zugespitztes Ende. Die Enterobius-Eier werden im Stuhl aber selten nachgewiesen. Deshalb kommt bei Verdacht auf eine Enterobius-Infektion der richtigen Materialgewinnung eine besonders große Bedeutung zu. Diese erfolgt mit einem Klebestreifenpräparat am Anus und sollte in der Regel direkt in der Laborarztpraxis durchgeführt werden!

Infoblatt "Analabstrich zum Nachweis von Wurmeiern" öffnen

Zu den möglichen Differenzialdiagnosen gehören Infektionen mit anderen Fadenwürmern und mit pathogenen Hefen sowie Ekzeme und Fisteln am Anus und Hämorrhoiden.

Therapie

Die Fachmedizin behandelt meist ausschließlich den Wurmbefall als solchen mit Wurmmitteln (Antihelmintica) und verschreibt juckreizstillende Mittel. Kontaktpersonen werden sinnvoller Weise mitbehandelt. Wichtig ist bei der Behandlung, dass die Medikamente periodisch und in richtigen zeitlichen Abständen eingenommen werden. Chinesischer Kräuter und Tees können begleitend Verdauungsbeschwerden lindern.

Vorbeugung

Wegen des hohen Verbreitungsgrades gelten Wurminfektionen als kaum vermeidbar. Allerdings könnte mit Aufmerksamkeit und Hygiene manche Infektion verhindert werden, vor allem eine erneute orale oder anale Selbstinfektion, etwa als Schmierinfektion. Hygiene ist wichtig: Händewaschen, Körperpflege. Bei Kindern ist Kauen an den Nägeln und Daumenlutschen ebenso problematisch wie Gegenstände in den Mund zu stecken.

Eine oft vernachlässigte Infektionsquelle sind rohe Gemüse und rohe Salate. Wo man es mit Mensch und Tier gut meint, führen gerade Natur-Düngungen zu Kontaminationen von Lebensmitteln mit Parasiten. Hier könnte Sorgfalt beim Waschen von Salaten viele Infektionen mit Wurmeiern verhindern (ebenso mit Protozoen, vgl. den folgenden Abschnitt).

Normamed-Infoblatt für Kinder "Der Salatesser Ongte-Pongte" öffnen

Mögliche Folgen lange unbehandelter Infektionen

Infektionen mit Wurmeiern sind keine lästige Kleinigkeit – sie können zu erheblichen Komplikationen und Folgeerkrankungen führen. So können sich die Würmer im Körper verbreiten und neben den bereits genannten Symptomen (Ekzeme, Haut- und Schleimhautschädigungen) zu Entzündungen der Harnwege, des Bauchfells und des Blinddarms führen.

Auch die psychische Beeinträchtigung etwa durch Ekelgefühle kann zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen. Bei Frauen kann es zu Entzündung des Eileiters, der Gebärmutter, der Vulva und der Vagina sowie zu Blutungen kommen.

Die Geißeltierchen Giardia intestinalis (syn. Giardia lamblia) sind ein Beispiel für die schnelle Verbreitung auch von „exotischen” Parasiten in einer globalisierten Welt. Verzeichnet werden etwa 200 Millionen Giardiasis-Infektionen weltweit. Die Tendenz des Vordringens dieser Parasiten auch in klimatisch gemäßigten Breiten ist steigend. In Europa sind etwa 25 Prozent der Kinder und zehn Prozent der Erwachsenen bereits infiziert.

Infektionsablauf, Diagnostik und Therapie

Man muss nicht darauf warten, dass Infektionen mit dem bloßen Auge sichtbar werden. Schon als Eier können Würmer mit sorgfältiger Labordiagnostik aufgespürt werden. Auch gibt es andere, zum Beispiel einzellige Parasiten (z. B. Giardia intestinalis, Cryptosporidium ssp., Entamoeba ssp.), die so klein bleiben, dass sie nur mit sehr guten Mikroskopen sichtbar gemacht werden können. Für die Unterscheidung zwischen Wurmeiern und Protozoen (Einzellern) und die genaue Bestimmung der jeweiligen Art ist viel Laborerfahrung erforderlich.

Der Nachweis der infektiösen Giardia-Zysten im Stuhl sollte nach sorgfältiger Materialgewinnung und -behandlung in einem Fachlabor erfolgen. Ggf. kann ein ELISA-Test bereits Reaktionen des Körpers auf Befall mit Giardia-Zysten bestätigen. Eine unvollständige Diagnostik kann zu Fehlinterpretationen der Ursachen vielfältiger Beschwerden führen. Deshalb haben wir für die Materialgewinnung genaue Informationen entwickelt. Die Praxis zeigt immer wieder, dass dies erforderlich ist.

Giardia intestinalis sind einzellige Geißeltierchen, die erhebliche Beschwerden verursachen können. In früheren Zeiten wurden sie als Verursacher von „Reisedurchfällen” diagnostiziert, weil Touristen sie aus Ländern mit warmem Klima „mitbrachten”. Aber auch Stuhlunregelmäßigkeiten, relativ plötzlich auftretende Nahrungsunverträglichkeiten oder merkliche Magen-Darm-Beschwerden können durch Giardia lamblia verursacht sein.

Die Therapie der Infektion erfordert hohe ärztliche Kompetenz.

Vorbeugung

Inzwischen gibt es auch in klimatisch gemäßigten Breiten viele Infektionsquellen. So werden Infektionen über roh verzehrte Salate und Gemüse, insbesondere aus Biosortimenten, aufgrund einer „natürlichen” Düngung mit tierischen Exkrementen vermehrt beobachtet. Der Lebenszyklus der Giardien zeigt neben Nahrungsmitteln aber auch andere Quellen auf. So können Giardia zum Beispiel in kaltem Wasser lange Zeit überleben.

Hier könnte Sorgfalt beim Waschen von Salaten viele Infektionen mit Protozoen (wie bei Wurmeiern) verhindern.

Als einzelliger Parasit verursacht Entamoeba histolytica die Amöbiasis, die sogenannte "Amöbenruhr". Die Erkrankung durch die Infektion mit diesem Parasiten ist schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt. In früheren Zeiten führte die Infektion zu Darmentzündungen und oft auch zum Tod.

Infektionsablauf, Diagnostik und Therapie

Heute ist der Parasit bei rechtzeitiger Erkennung durch geeignete Laboranalytik gut behandelbar. Unbehandelt können die Folgen der Amöbiasis von Verdauungesbeschwerden und Unterleibsschmerzen über heftige Durchfälle bis zu Organschädigungen (Leberabszesse) reichen. Teils kann die Krankheit auch erst lange nach Infektion ausbrech

Der Nachweis der Erreger sollte nach sorgfältiger Materialgewinnung und -behandlung in einem Fachlabor erfolgen. Eine unvollständige Diagnostik kann zu Fehlinterpretationen der Ursachen vielfältiger Beschwerden führen. Deshalb haben wir für die Materialgewinnung genaue Informationen entwickelt. Die Praxis zeigt immer wieder, dass dies erforderlich ist.

Vorbeugung

Oft werden die Erreger insbesondere durch verunreinigtes Wasser übertragen. Infektiöse Zysten können aber auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Deshalb kommt der Hygiene und auch der Aufklärung über mögliche Folgen von Sexualpraktiken große Bedeutung zu.

Der Spulwurm (Ascaris lumbricoides) ist ein Fadenwurm. Als Parasit befällt er den Menschen ohne Zwischenwirt. Der Lebenszyklus des Spulwurms ist sehr komplex. Entsprechend wichtig ist das richtige Vorgehen bei der Diagnostik und Therapie.

Infektionsablauf, Diagnostik und Therapie, Vorbeugung

Untersuchung der Stuhlproben bei Verdacht auf eine parasitäre Infektion.

Der Nachweis der infektiösen Eier im Stuhl sollte nach sorgfältiger Materialgewinnung und -behandlung in einem Fachlabor erfolgen. Ggf. kann ein ELISA-Test bereits Reaktionen des Körpers auf Befall mit dem Spulwurm bestätigen. Eine unvollständige Diagnostik kann zu Fehlinterpretationen der Ursachen vielfältiger Beschwerden führen. Deshalb haben wir für die Materialgewinnung genaue Informationen entwickelt. Die Praxis zeigt immer wieder, dass dies erforderlich ist.

Die Beschwerden und Symptome bei einer Infektion mit dem Parasiten können sehr vielfältig sein. Der erfahrene Arzt kann aus Beschwerdekombinationen erste Hinweise auf einen Parasitenbefall erhalten. Im Zweifelsfall verhindert eine sorgfältige Untersuchung von Stuhlproben lange Leidensgeschichten.

Mögliche Folgen lange unbehandelter Infektionen

Möglich sind massive Störungen der Verdauung (im Darm können die erwachsenen Würmer z. B. die Bauchspeicheldrüsengänge oder die Gallengänge blockieren und damit Koliken hervorrufen oder auch einen lebensgefährlichen Darmverschluss herbeiführen).

Bei der Lungendurchwanderung kann es zu einer Ascaris-Pneumonie (mit Husten, Fieber, starker Verschleimung und asthmaähnlichen Anfällen) kommen. Die Auswirkungen reichen von Mangelernährung über allergische Reaktionen bis zu psychischer Traumatisierung, wenn die Würmer bei bestimmten biochemischen Prozessen versuchen, den Körper durch Mund, Nase oder After zu verlassen.

Behandlung von Parasiten-Infektionen

Die Behandlung von Parasiten kann durch fachmedizinisch richtiges Vorgehen in Diagnostik und Therapie heute sehr erfolgreich durchgeführt werden. Aufgrund der Beschaffenheit des Erregers ist der Nachweis unmittelbar mit einer sorgfältigen und häufig durchgeführten Probengewinnung verbunden.

Zur Vorbeugung kann viel getan werden, wenn einige Hygienegrundsätze befolgt werden. Es gibt Möglichkeiten zur Milderung der Beschwerden und Folgen der Infektion während der Behandlung, etwa mittels chinesischer Tees und Kräuter.

Falls es bereits zu Mischinfektionen gekommen ist, dann ist die richtige Reihenfolge der Behandlungsschritte für einen nachhaltigen Behandlungserfolg wesentlich. Deshalb sollten – falls es die Zeit und die Schwere der Beschwerden erlauben – bei Mischinfektionen mit Parasiten, pathogenen Hefen und Bakterien zuerst die Parasiten behandelt werden, dann die Pilze und schließlich die Bakterien.

Im Zweifelsfall gibt ein Check-up Gewissheit, ob Parasiten die Ursache sind oder es andere Gründe für Beschwerden gibt. Letztlich können Beschwerden nur von einem erfahrenen Arzt richtig zugeordnet – und die Ursachen in der richtigen Reihenfolge sinnvoll behandelt werden.